Das "Auch ich habe meine Tage"-Buch vom keks

Klingelmisstöne

Abgelegt unter: Backblech | 17.04.2008 (8:53) |

Wähle C1 und du erhältst den “Schnuffelsong”, wähle C2 und du erhältst “Two Hearts”, wähle C3 und du erhältst eins in die Fresse. Wozu sind eigentlich Klingeltöne da, ausser um Musiksendern Geld einzuspielen? Um zu nerven. Grundidee eines vom Telefon verursachten Geräusches ist das Aufmerksammachen auf einen eingehenden Anruf, den man dann möglichst bald entgegen nimmt. Dazu reicht ein “rrrrrring” völlig aus. Nun lade ich aber einen Vierminutensong, bezahle den und will ihn entsprechend natürlich ganz hören, bevor ich abhebe, was einerseits meinen Anrufer stinkig macht (der hat keine Warteschleife oder den gleichen Sound, sondern tüüüt) und andereseits die Welt um mich herum. Vorzugsweise Bürokollegen oder Leidensgenossen in Bus oder Tram. Wo alle denken “Warum kann die dumme Sau nicht einfach den Anruf entgegen nehmen?”. Also wozu?

Und, aber da mag ich mich vielleicht von der Zielgruppe unterscheiden, ich höre Musik gerne in einer guten Qualität. Aber da die Zielgruppe auch Filme auf einem Display der Grösse Kaffeerahmdeckeli betrachtet, liege ich da vielleicht altersbedingt auf einer komplett falschen Schiene. Gestern neben mir lief ein grauenerregendes Rap-Produkt und abgesehen davon, dass es einfach nur schlecht war: Handys haben keinen Bass! Da klingt auch guter Rap beschissen. Vielleicht laufen deshalb diese putzigen Schnuffelklänge so gut. Zwar beschissen, aber kein Bass und genügend “oooh wie süss”-Teenies, die in der Post-Diddl-Ära eine Ersatzbefriedigung suchen.

Mag auch schlicht eine Gegenbewegung zu den rebellischen Hardcore-Mobile-Gangstas sein. Denn, werden die nicht alle aufgerufen, sich gegen Eltern und Schule aufzulehnen, indem sie für Erwachsene unhörbare Klingel”töne” verwenden (super Werbung!). Erwachsene mögen ja teils technisch unbedarfter sein, aber wenn der Lehrer den Ton nicht hört, so wieht er aber mit ziemlicher Sicherheit einen Schüler mit dem Gerät am Ohr. Neueste Errungenschaft muss jedoch der Kampfhund auf dem Telefon sein. “Damit ist dein Handy vor allem geschützt”! Genau. Suuupi. Vor allem davor, dass es jemand in den See wirft. Wähle C4 und du erhältst “Underwater Love”.

Aktuell im Ohr: Freq – Dreambody

Gravity works

Abgelegt unter: Backblech | 11.04.2008 (9:18) |

Was auch noch so geschah: Langzeitleser wissen, dass ich gerne seltsame Zeiterscheinungen auf die Probe stelle. Oder meine Fähigkeit mit Umwelteinflüssen umzugehen wie die Bäume und Bären in Kanada. Erfahrungsgemäss braucht man jedoch keine extremen Ferienauswüchse, es reicht ein kayx, eine Treppe und eine Wette mit der natur, dass ich die Schwerkraft überlisten kann. Kurz zusammen gefasst: ich habe verloren. In der späteren versuchten Rekonstruktion der Ereignisse müssen es wohl vier oder fünf Stufen gewesen sein, die ich voller Motivation übersprungen habe – oder eben nicht, denn vom folgenden Verhalten her, müsste wahrscheinlich der eine Fuss noch die Kante einer Stufe erwischt haben, um den optimalen Drall zu erhalten bei der Vernichtung körpereigenen Gewebes.

Mein Arzt meinte nach Ansicht meines Fusses (und dem Hineindrücken dreier Finger um zwei Zentimeter, es sah aus wie eine Bowlingkugel), so was Bizarres hätte er nun doch schon länger nicht mehr gesehen. Und ich sei ganz schön effektiv im Kaputtmachen. Normalerweise entwickelt der Mensch einen gewissen Stolz bei Erbringung von Leistungen, die einen von der Masse abheben, aber irgendwie wollte sich bei mir keine Begeisterung einstellen. Mein einziger Freund war dann das Röntgengerät, welches konstatierte, dass keine Knochen futsch waren (dafür alles drumrum). Noch so eine tolle Aussage: “Also beim Knochen wär alles viel einfacher gewesen”. Ab diesem Tag fand ich auch zweigeschossige Wohnungen nur noch doof. Eingeschossige auch. Eigentlich. Die Suppe hab ich vorzugsweise aus der Pfanne gelöffelt, mit zwei Krücken, einem Teller aber nur zwei Händen gestaltet sich der Transport einigermassen schwierig.

Aber alles hat auch sein Gutes. Ich hatte noch nie eine dermassen süsse Physiotherapeutin. Die schubst mich zwar um und bewirft mich mit Bällen, aber da muss ich wohl durch. Ebenfalls positiv zu bemerken ist, dass ich mir die Radwechselei am Auto gespart habe, da der Termin in der Werkstatt am Tag nach meinem Sturz angesetzt war und jetzt, da ich wieder auf die Strasse darf (ja, ich fahre einen Automaten, ja, natürlich war es der rechte Fuss und nein, ich bin nicht blöd genug um mit links zu fahren), ist auch der Winter bald vorbei. Hoffe ich doch. Also diese Woche war nochmal Schnee und Eis, aber grundsätzlich setzt sich die Idee Frühling wohl doch durch. Mag sein, dass die Vereiserei nur eine Verschwörung der Physionati ist, um den konstanten Nachschub an Patienten zu garantieren. Aber wenn ich wieder meine Schnucklige kriege, bringen wir eben dieses Opfer zum Wohle aller. Meine Güte, bin ich sozial.

Aktuell im Ohr: Charlie Clouser – Convoy (Soundtrack Resident Evil Extinction)